Kurz erklärt: Signature-Phishing ist ein Oberbegriff für Betrugstechniken, bei denen Opfer dazu verleitet werden, eine kryptografische Signatur zu erstellen, die einem Angreifer den Zugriff auf oder die Kontrolle über Vermögenswerte ermöglicht – ohne dass private Schlüssel offengelegt werden.
Grundprinzip
In Blockchain-Systemen autorisieren Nutzer Aktionen, indem sie Nachrichten oder Transaktionen mit ihrem privaten Schlüssel signieren. Beim Signature-Phishing greift der Angreifer nicht den Schlüssel selbst an, sondern bringt das Opfer dazu, eine Signatur für eine schädliche Nachricht zu leisten.
Weil die Wallet dabei technisch korrekt arbeitet und der Schlüssel das Gerät nie verlässt, wirken solche Angriffe für Nutzer oft weniger bedrohlich als eine direkte Aufforderung zur Herausgabe der Seed-Phrase. Die erteilte Signatur kann jedoch weitreichende Folgen haben.
Verbreitete Varianten
Signature-Phishing umfasst mehrere konkrete Techniken:
- Permit-Phishing: Missbrauch der gasfreien Permit-Funktion (EIP-2612) zur Erteilung von Token-Freigaben.
- Ice Phishing: Erschleichen von
approve-Berechtigungen für Token. - eth_sign / blinde Nachrichten: Signieren beliebiger, für den Nutzer nicht lesbarer Daten, die als gültige Transaktion interpretiert werden können.
- Seaport- und Marktplatz-Signaturen: Missbrauch von Handels-Signaturen bei NFT-Marktplätzen zum Verkauf von Vermögenswerten zu ungünstigen Konditionen.
Der Standard EIP-712 wurde eingeführt, um strukturierte Daten für Signaturen menschenlesbarer zu machen und solche Angriffe zu erschweren.
Schutzmaßnahmen
Zentrale Empfehlung ist, keine Signatur zu leisten, deren Inhalt und Wirkung nicht verstanden wurde. Das Vermeiden von Blind Signing ist dabei ein wesentlicher Faktor. Wallets, die strukturierte EIP-712-Nachrichten klar darstellen und vor riskanten Signaturtypen warnen, erhöhen die Sicherheit.
Weitere Maßnahmen sind das Nutzen vertrauenswürdiger Anwendungen, das Widerrufen nicht mehr benötigter Berechtigungen und der Einsatz von Hardware-Wallets, die Signaturinhalte auf einem separaten Display anzeigen.
Häufige Fragen
Was ist Signature-Phishing?
Ein Oberbegriff für Betrugstechniken, bei denen Opfer eine kryptografische Signatur für eine schädliche Nachricht leisten. Der private Schlüssel wird dabei nicht offengelegt, die Signatur genügt dem Angreifer.
Wie unterscheidet es sich vom Diebstahl der Seed-Phrase?
Bei klassischem Phishing wird die Seed-Phrase oder der Schlüssel abgegriffen. Bei Signature-Phishing bleibt der Schlüssel beim Opfer; ausgenutzt wird eine einzelne, gezielt erschlichene Signatur.
Welche Varianten gibt es?
Dazu zählen Permit-Phishing, Ice Phishing, das blinde Signieren über eth_sign sowie der Missbrauch von Handels-Signaturen auf NFT-Marktplätzen.
Wozu dient der EIP-712-Standard?
EIP-712 macht strukturierte Signaturdaten menschenlesbarer, sodass Nutzer besser erkennen können, was sie signieren. Das erschwert das Erschleichen bösartiger Signaturen.
Wie schützt man sich am besten?
Indem man nur Signaturen leistet, deren Inhalt man versteht, Blind Signing vermeidet, warnende Wallets nutzt und nicht benötigte Berechtigungen regelmäßig widerruft.
Zusammenfassung
Signature-Phishing ist ein Oberbegriff für Angriffe, bei denen Opfer eine schädliche kryptografische Signatur leisten, statt ihren Schlüssel preiszugeben. Dazu zählen Permit- und Ice-Phishing sowie das blinde Signieren. Schutz bieten lesbare EIP-712-Signaturen, warnende Wallets und das Meiden von Blind Signing.
Weiterführende Quellen
- EIP-712: Typed structured data hashing and signing: eips.ethereum.org
- Microsoft Security Blog: Ice phishing on the blockchain: www.microsoft.com