Kurz erklärt: Sextortion (aus engl. „sex“ und „extortion“, Erpressung) bezeichnet die Erpressung von Personen mit tatsächlichem oder nur behauptetem intimem Bild- oder Videomaterial. Die Täter fordern häufig ein Schweigegeld, das in Kryptowährungen wie Bitcoin gezahlt werden soll.
Begriff und Herkunft
Der Begriff Sextortion ist ein Kofferwort aus den englischen Wörtern „sex“ und „extortion“ und wird seit den 2010er-Jahren auch von Behörden wie dem US-amerikanischen FBI verwendet. Die Bezeichnung fasst verschiedene Erpressungsformen zusammen, denen die Drohung mit der Veröffentlichung sexuell konnotierten Materials gemeinsam ist.
Mit der Verbreitung von Kryptowährungen ab etwa 2018 traten massenhaft versendete Erpressungs-E-Mails auf, in denen anonyme Zahlungen in Bitcoin gefordert wurden. Diese Variante machte Sextortion zu einem Phänomen mit direktem Bezug zum Krypto-Ökosystem.
Formen der Sextortion
- Massen-Spam-Sextortion: Automatisiert versendete E-Mails behaupten, das Gerät des Opfers sei gehackt und die Webcam habe es bei intimen Handlungen gefilmt. Tatsächlich existiert meist kein Material; die Glaubwürdigkeit wird durch geleakte Passwörter aus Datenlecks erhöht.
- Kontaktbasierte Sextortion: Täter bauen über soziale Netzwerke oder Dating-Plattformen eine Beziehung auf, verleiten das Opfer zu Nacktaufnahmen und drohen anschließend mit deren Verbreitung.
- Sextortion Minderjähriger: Eine besonders schwerwiegende Form mit Bezug zum Kinder- und Jugendschutz, die international verstärkt verfolgt wird.
Zahlungsforderung in Kryptowährungen
Kryptowährungen sind für Sextortion attraktiv, weil sich Zahlungen ohne Bankkonto und ohne unmittelbare Identitätsprüfung empfangen lassen. In Massenkampagnen wird typischerweise eine feste Summe an eine im Text genannte Bitcoin-Adresse verlangt, oft verbunden mit einer kurzen Frist.
Anders als häufig angenommen sind Transaktionen in öffentlichen Blockchains nicht anonym, sondern pseudonym und dauerhaft nachvollziehbar. Analysefirmen und Ermittler können Zahlungsströme über solche Adressen verfolgen, was zur Aufdeckung von Auszahlungsstellen und teils zur Umgehung mittels Fake-KYC beiträgt.
Prävention und Rechtslage
Sicherheitsbehörden raten davon ab, auf Forderungen einzugehen oder zu antworten, da eine Zahlung weitere Erpressungsversuche wahrscheinlicher macht. Empfohlen werden das Sichern von Beweisen, das Ändern betroffener Passwörter sowie eine Anzeige bei der Polizei.
In Deutschland ist Sextortion strafbar, insbesondere als Erpressung; bei Minderjährigen kommen weitere Tatbestände hinzu. Das Bundeskriminalamt und Verbraucherschutzstellen weisen regelmäßig auf entsprechende Kampagnen hin.
Häufige Fragen
Muss ich zahlen, wenn ich eine Sextortion-Mail erhalte?
Nein. Behörden raten ausdrücklich davon ab. In den meisten Massenkampagnen existiert kein tatsächliches Material; eine Zahlung führt häufig zu weiteren Forderungen.
Woher kennen die Täter mein Passwort?
Genannte Passwörter stammen in der Regel aus früheren Datenlecks, die im Internet gehandelt werden. Sie belegen keinen tatsächlichen Zugriff auf das Gerät.
Warum wird die Zahlung in Bitcoin verlangt?
Weil sich Kryptozahlungen ohne Bankkonto empfangen lassen. Sie sind allerdings pseudonym und in der Blockchain dauerhaft nachvollziehbar, nicht wirklich anonym.
Was sollte ich tun, wenn ich betroffen bin?
Nicht antworten, Beweise sichern, betroffene Passwörter ändern, gegebenenfalls Konten absichern und Anzeige bei der Polizei erstatten.
Ist Sextortion strafbar?
Ja. In Deutschland fällt sie insbesondere unter den Tatbestand der Erpressung; bei Minderjährigen greifen zusätzliche Schutzvorschriften.
Zusammenfassung
Sextortion ist die Erpressung mit tatsächlichem oder nur behauptetem intimem Material, wobei das Lösegeld oft in Kryptowährungen wie Bitcoin gefordert wird. Verbreitet sind vor allem massenhaft versendete Bluff-Mails, aber auch kontaktbasierte Formen. Behörden raten von Zahlungen ab; die Tat ist strafbar und Kryptozahlungen sind entgegen der Annahme der Täter nachverfolgbar.
Weiterführende Quellen
- Bundeskriminalamt – Informationen zu Sextortion: www.bka.de
- Wikipedia – Sextortion: de.wikipedia.org
- Verbraucherzentrale – Erpressungs-Mails mit angeblichem Videomaterial: www.verbraucherzentrale.de