Kurz erklärt: Permit-Phishing ist eine Betrugsmethode, bei der Opfer eine gasfreie Off-Chain-Signatur nach dem Standard EIP-2612 („Permit“) erstellen, die einem Angreifer die Berechtigung zum Abziehen von Token erteilt.
Hintergrund: Die Permit-Funktion
Der Standard EIP-2612 erweitert das ERC-20-Token-Modell um eine permit-Funktion. Sie erlaubt es, eine Token-Freigabe (Allowance) mittels einer signierten Nachricht zu erteilen, statt eine separate On-Chain-Transaktion mit Transaktionsgebühren auszuführen.
Der ursprüngliche Zweck ist Nutzerkomfort: Anwender können Freigaben erteilen, ohne selbst Gasgebühren zu zahlen, weil die eigentliche Ausführung von einer anderen Partei übernommen werden kann. Genau diese Trennung von Signatur und Ausführung macht das Verfahren für Betrug anfällig.
Ablauf des Angriffs
Beim Permit-Phishing läuft der Betrug typischerweise so ab:
- Das Opfer wird auf einer manipulierten Anwendung aufgefordert, eine Nachricht zu „bestätigen“ oder zu „signieren“.
- Die Signatur wirkt harmlos und kostet keine Gasgebühr, was die Hemmschwelle senkt.
- Tatsächlich handelt es sich um eine Permit-Nachricht, die dem Angreifer eine Token-Freigabe einräumt.
- Der Angreifer reicht die signierte Permit-Nachricht on-chain ein und zieht anschließend die Token ab.
Da keine sichtbare Token-Transaktion bestätigt wird, sondern nur eine Signatur, erscheint der Vorgang für viele Nutzer unverdächtig.
Einordnung und Schutz
Permit-Phishing gehört zur Familie der signaturbasierten Angriffe und ist eng verwandt mit Ice Phishing und Signature-Phishing. Der entscheidende Unterschied zu einer klassischen approve-Transaktion ist, dass die Genehmigung off-chain und gasfrei erteilt wird, was sie besonders unauffällig macht.
Als Schutz gilt, jede Signaturaufforderung genau zu lesen und zu verstehen, welche Berechtigung sie erteilt. Wallets zeigen zunehmend Warnungen bei Permit-Anfragen an. Die Vermeidung von Blind Signing und die Nutzung von Wallets, die den Inhalt strukturierter Signaturen (EIP-712) verständlich darstellen, verringern das Risiko.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Permit-Phishing von einer normalen Token-Freigabe?
Bei Permit-Phishing wird die Freigabe über eine gasfreie Off-Chain-Signatur nach EIP-2612 erteilt, statt über eine sichtbare On-Chain-Transaktion. Das macht den Vorgang unauffälliger.
Warum ist eine Signatur ohne Gasgebühr riskant?
Weil sie harmlos wirkt und keine Bestätigungskosten verursacht. Dennoch kann sie einem Angreifer die volle Berechtigung erteilen, Token abzuziehen, sobald er die Signatur einreicht.
Was ist EIP-2612?
EIP-2612 ist eine Erweiterung des ERC-20-Standards, die eine permit-Funktion einführt. Sie ermöglicht Token-Freigaben per signierter Nachricht, ohne dass der Nutzer selbst Gasgebühren zahlt.
Wie erkenne ich eine gefährliche Permit-Anfrage?
Moderne Wallets zeigen bei Permit-Signaturen häufig Warnungen und Details zu Empfänger und Betrag an. Wichtig ist, den Inhalt der Signatur zu lesen und unbekannte Freigaben abzulehnen.
Ist Permit-Phishing dasselbe wie Ice Phishing?
Beide gehören zu den signaturbasierten Angriffen und zielen auf Token-Freigaben. Permit-Phishing nutzt jedoch speziell die gasfreie Off-Chain-Permit-Funktion nach EIP-2612.
Zusammenfassung
Permit-Phishing missbraucht die gasfreie Permit-Funktion nach EIP-2612, mit der Token-Freigaben per Off-Chain-Signatur erteilt werden. Opfer signieren eine scheinbar harmlose Nachricht, die einem Angreifer den Abzug von Token ermöglicht. Schutz bieten das genaue Prüfen von Signaturen und warnende Wallets.
Weiterführende Quellen
- EIP-2612: Permit Extension for EIP-20 Signed Approvals: eips.ethereum.org
- Ethereum.org: ERC-20 Token Standard: ethereum.org