Kurz erklärt: Gavin Wood war Mitgründer von Ethereum, verfasste dessen technische Spezifikation und war massgeblich an der Programmiersprache beteiligt, in der die meisten Smart Contracts geschrieben sind. Später gründete er Polkadot, ein Netzwerk, das die Verbindung mehrerer Blockchains zum Ziel hat.
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Woods wichtigste Arbeit ist die formale Beschreibung der Ausführungsumgebung von Ethereum. Sie legt fest, wie Programme auf allen beteiligten Rechnern zu identischen Ergebnissen führen — die Voraussetzung dafür, dass ein Netzwerk ohne zentrale Instanz überhaupt zu einem gemeinsamen Zustand kommt.
Für die forensische Praxis ist daraus abzuleiten, warum sich Vorgänge in solchen Netzwerken so gut rekonstruieren lassen: Jeder Aufruf ist mit Zieladresse, aufgerufener Funktion, übergebenen Werten und Ergebnis protokolliert. Bei einem Schadensfall lässt sich damit exakt bestimmen, welche Berechtigung wann erteilt und welcher Vorgang wann ausgeführt wurde.
Verbundene Netzwerke und ihre Spurenlage
Polkadot verfolgt den Ansatz, mehrere spezialisierte Blockchains unter einem gemeinsamen Sicherheitsdach zu verbinden. Vergleichbare Konzepte verfolgen andere Netzwerke.
Forensisch ist die Übertragung zwischen Netzwerken der kritische Punkt. Sie erfolgt regelmässig nicht als eine Transaktion, sondern als Sperrung auf der einen und Ausgabe auf der anderen Seite. Der Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen ergibt sich nicht aus einer gemeinsamen Kennung, sondern aus zeitlicher Nähe, Betrag und den beteiligten Vertragsadressen.
Eine Auswertung, die einen solchen Übergang überspringt, ohne die Verknüpfung zu begründen, ist angreifbar. In einem Gutachten gehört ausdrücklich dargelegt, worauf die Annahme beruht, dass zwei Vorgänge auf unterschiedlichen Netzwerken zusammengehören.
Zugleich ist dieser Umstand eine Chance: Übergänge zwischen Netzwerken laufen über wenige, bekannte Vertragsadressen. Sie sind damit gut identifizierbare Knotenpunkte — und häufig zugleich Angriffsziele, weil sie grosse Bestände halten.
Häufige Fragen
Warum sind Vorgänge in Smart-Contract-Netzwerken gut rekonstruierbar?
Weil jeder Aufruf mit Zieladresse, Funktion, übergebenen Werten und Ergebnis protokolliert ist. Damit lässt sich exakt bestimmen, welche Berechtigung wann erteilt und welcher Vorgang wann ausgeführt wurde.
Was ist bei Übertragungen zwischen Netzwerken zu beachten?
Sie bestehen aus zwei getrennten Vorgängen — Sperrung auf der einen, Ausgabe auf der anderen Seite — ohne gemeinsame Kennung. Die Verknüpfung beruht auf zeitlicher Nähe, Betrag und Vertragsadressen und gehört im Gutachten ausdrücklich begründet.
Warum sind Übergänge zwischen Netzwerken häufig Angriffsziele?
Weil sie grosse Bestände halten, um beide Seiten zu bedienen. Zugleich sind sie gut identifizierbare Knotenpunkte, weil sie über wenige bekannte Vertragsadressen laufen.
Zusammenfassung
Gavin Wood beschrieb die Ausführungsumgebung von Ethereum formal und gründete später Polkadot. Für die Forensik folgt aus der Protokollierung jedes Aufrufs eine sehr gute Rekonstruierbarkeit. Übertragungen zwischen Netzwerken bestehen dagegen aus zwei getrennten Vorgängen ohne gemeinsame Kennung — ihre Verknüpfung ist zu begründen, und die beteiligten Vertragsadressen sind zugleich Knotenpunkte und Angriffsziele.
Weiterführende Quellen
- Ethereum — Whitepaper: ethereum.org
- Europol — Internet Organised Crime Threat Assessment (IOCTA): www.europol.europa.eu