Kurz erklärt: Die Bahamas schufen früh ein eigenes Regelwerk für den Handel mit digitalen Vermögenswerten und zogen damit Unternehmen an — darunter FTX, dessen Zusammenbruch 2022 dort zu einem eigenen Insolvenzverfahren führte. Der Fall zeigt, wie eine formal bestehende Zulassung und eine wirksame Aufsicht auseinanderfallen können.
Der Rahmen und seine Grenzen
Das Regelwerk sah ein Zulassungsverfahren für Anbieter von Dienstleistungen mit digitalen Vermögenswerten vor, mit Anforderungen an Organisation, Eigenmittel und Geldwäscheprävention.
FTX war dort zugelassen. Der Zusammenbruch beruhte gleichwohl auf einer fehlenden Trennung zwischen Kundengeldern und Eigenvermögen — genau dem, was ein Zulassungsverfahren verhindern soll.
Daraus folgt die praktisch wichtigste Erkenntnis: Eine Zulassung ist eine Momentaufnahme des Zulassungszeitpunkts. Ob die Anforderungen laufend eingehalten werden, hängt von der tatsächlichen Aufsichtstätigkeit ab — von Prüfungen, Personal und Durchsetzungswillen. Diese Tätigkeit ist von aussen kaum zu beurteilen.
Zwei parallele Insolvenzverfahren
Nach dem Zusammenbruch wurden Verfahren sowohl auf den Bahamas als auch in den Vereinigten Staaten eröffnet. Zwischen den Verwaltern kam es zu Auseinandersetzungen über die Zuordnung von Vermögenswerten und die Zuständigkeit.
Für Gläubiger bedeutet das Verzögerung und Unsicherheit — sie müssen unter Umständen in mehreren Verfahren Forderungen anmelden, mit unterschiedlichen Fristen und Formerfordernissen.
Als Prüfpunkt vor der Auswahl eines Anbieters ergibt sich daraus eine Frage, die selten gestellt wird: In welchem Staat säße man im Insolvenzfall, und existiert dort ein Verfahren, das Gläubiger aus Deutschland praktisch erreichen können? Eine Gesellschaftsstruktur über mehrere Staaten ist unter diesem Gesichtspunkt ein Risiko, kein Zeichen von Grösse.
Häufige Fragen
Schützt eine Zulassung vor einem Zusammenbruch?
Nicht zwingend. FTX war zugelassen und scheiterte an fehlender Vermögenstrennung. Eine Zulassung ist eine Momentaufnahme; entscheidend ist die laufende Aufsichtstätigkeit, die von aussen kaum zu beurteilen ist.
Was bedeuten parallele Insolvenzverfahren für Gläubiger?
Verzögerung und Unsicherheit. Forderungen sind unter Umständen in mehreren Verfahren anzumelden, mit unterschiedlichen Fristen und Formerfordernissen, während Verwalter über Zuordnung und Zuständigkeit streiten.
Welche Frage sollte man vor der Auswahl eines Anbieters stellen?
In welchem Staat man im Insolvenzfall stünde und ob dort ein Verfahren existiert, das Gläubiger aus Deutschland praktisch erreichen können. Eine Struktur über mehrere Staaten ist unter diesem Gesichtspunkt ein Risiko.
Zusammenfassung
Die Bahamas schufen früh ein eigenes Regelwerk und zogen Anbieter an, darunter FTX. Dessen Zusammenbruch trotz bestehender Zulassung zeigt, dass eine Zulassung eine Momentaufnahme ist und die laufende Aufsicht von aussen kaum beurteilbar. Parallele Insolvenzverfahren in mehreren Staaten bedeuten für Gläubiger Verzögerung und Mehrfachanmeldung — der Sitzstaat gehört deshalb an den Anfang jeder Prüfung.
Weiterführende Quellen
- US-Justizministerium — Urteil gegen Samuel Bankman-Fried: www.justice.gov
- Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte (MiCA), EUR-Lex: eur-lex.europa.eu
- BaFin — Merkblatt Kryptowerte-Dienstleistungen nach MiCAR: www.bafin.de