Kurz erklärt: Ein Soulbound Token (SBT) ist ein nicht übertragbarer, dauerhaft an eine bestimmte Wallet („Soul“) gebundener Token. Das Konzept wurde 2022 massgeblich von Vitalik Buterin geprägt und dient dazu, Identität, Mitgliedschaften oder Qualifikationen auf einer Blockchain abzubilden.
Herkunft des Begriffs
Der Begriff soulbound stammt ursprünglich aus Computerspielen, in denen bestimmte Gegenstände fest an eine Spielfigur gebunden und nicht handelbar sind. Übertragen auf die Blockchain wurde das Konzept im Mai 2022 in dem Aufsatz „Decentralized Society: Finding Web3’s Soul“ von E. Glen Weyl, Puja Ohlhaver und Vitalik Buterin ausgearbeitet.
Die Autoren beschreiben eine sogenannte dezentrale Gesellschaft (DeSoc), in der Wallets als „Souls“ fungieren und nicht übertragbare Token deren Reputation, Historie und Beziehungen repräsentieren. Im Gegensatz zu handelbaren Vermögenswerten sollen SBTs Merkmale abbilden, deren Wert gerade in ihrer Nicht-Übertragbarkeit liegt.
Technische Eigenschaften
SBTs aehneln technisch nicht fungiblen Token (NFTs), etwa nach dem Standard ERC-721, unterscheiden sich jedoch durch die fehlende Transferfunktion:
- Nicht übertragbar: Ein einmal ausgegebener SBT kann nicht an eine andere Wallet weitergereicht oder verkauft werden.
- Ausstellergebunden: SBTs werden von einer ausgebenden Instanz (etwa einer Organisation) an eine Wallet vergeben.
- Widerrufbarkeit: Je nach Umsetzung kann der Aussteller einen SBT zurückziehen (revoke).
Auf technischer Ebene existieren mehrere Vorschläge zur Standardisierung, darunter EIP-5114 und ERC-5192 (Minimal Soulbound NFT). Eine einheitliche, universell durchgesetzte Norm hat sich bislang nicht abschliessend etabliert.
Anwendungsfälle und Kritik
Als mögliche Einsatzgebiete werden unter anderem genannt:
- Digitale Nachweise wie Zeugnisse, Zertifikate oder Bildungsabschluesse.
- Mitgliedschaften in Organisationen oder dezentralen autonomen Organisationen (DAOs).
- Reputations- und Bonitätssysteme sowie Massnahmen gegen Manipulation von Abstimmungen (Sybil-Resistenz).
Kritisch diskutiert werden vor allem Datenschutzaspekte, da an eine Wallet gebundene, öffentlich einsehbare Merkmale Rückschluesse auf Personen zulassen können. Ebenso wird die Frage der Wiederherstellung bei Verlust des Zugriffs auf eine Wallet thematisiert. SBTs stehen damit im Spannungsfeld zwischen überprüfbarer Identität und informationeller Selbstbestimmung.
Häufige Fragen
Kann man einen Soulbound Token verkaufen?
Nein. Das definierende Merkmal eines Soulbound Token ist seine Nicht-Übertragbarkeit. Er bleibt dauerhaft an die Wallet gebunden, an die er ausgegeben wurde, und kann nicht gehandelt werden.
Worin unterscheidet sich ein SBT von einem NFT?
Technisch aehneln sich beide, doch ein klassisches NFT ist frei übertragbar, während ein Soulbound Token bewusst keine Transferfunktion besitzt und an eine Wallet gebunden bleibt.
Wer hat das Konzept eingeführt?
Das Konzept wurde 2022 in dem Aufsatz Decentralized Society von Vitalik Buterin, E. Glen Weyl und Puja Ohlhaver ausgearbeitet. Der Begriff selbst stammt aus Computerspielen.
Wofür werden SBTs verwendet?
Als mögliche Anwendungen gelten digitale Nachweise, Mitgliedschaften, Reputationssysteme und Massnahmen zur Sybil-Resistenz. Viele Einsatzformen befinden sich noch in einem experimentellen Stadium.
Welche Kritik gibt es an Soulbound Token?
Kritisiert werden vor allem Datenschutzrisiken durch öffentlich einsehbare, wallet-gebundene Merkmale sowie die Frage der Wiederherstellung bei Verlust des Wallet-Zugriffs.
Zusammenfassung
Soulbound Token sind nicht übertragbare Token, die dauerhaft an eine Wallet gebunden sind und Identität, Mitgliedschaften oder Nachweise abbilden. Das Konzept wurde 2022 von Vitalik Buterin und Co-Autoren im Aufsatz Decentralized Society geprägt. Technisch aehneln SBTs NFTs ohne Transferfunktion; Standardisierungsvorschläge wie ERC-5192 existieren, Datenschutzfragen bleiben umstritten.
Weiterführende Quellen
- Weyl, Ohlhaver, Buterin: Decentralized Society: Finding Web3's Soul (SSRN, 2022): papers.ssrn.com
- ERC-5192: Minimal Soulbound NFTs (Ethereum Improvement Proposals): eips.ethereum.org