Kurz erklärt: Roger Ver war einer der frühen Investoren in Bitcoin-Unternehmen und eine der prägenden Stimmen im Streit über die Blockgrösse, der 2017 zur Abspaltung von Bitcoin Cash führte. Für die Praxis ist vor allem die Abspaltung selbst von Bedeutung, weil sie Fragen zu Beständen, Steuer und Verwechslungsgefahr aufwirft.
Der Streit um die Blockgrösse
Die Auseinandersetzung drehte sich um die Frage, wie das Netzwerk mehr Zahlungen verarbeiten soll. Eine Seite wollte die Datenmenge je Block erhöhen, um Kosten niedrig zu halten; die andere wollte die Grösse begrenzen, um den Betrieb eigener Knoten für viele Teilnehmer möglich zu halten, und stattdessen zusätzliche Ebenen nutzen.
Der Konflikt endete 2017 mit einer Abspaltung. Beide Ketten teilen die Vorgeschichte bis zum Trennungspunkt; wer vorher Bestände hielt, hielt danach auf beiden Ketten entsprechende Bestände.
Für die forensische Arbeit ist das methodisch bedeutsam: Adressen und Transaktionsverläufe bis zum Trennungspunkt sind auf beiden Ketten identisch. Bei der Auswertung ist deshalb anzugeben, welche Kette gemeint ist — sonst entstehen Fehlzuordnungen.
Praktische Folgen von Abspaltungen
Drei Fragen treten regelmässig auf.
Bestandsfrage: Wer zum Trennungszeitpunkt selbst verwahrte, verfügt über beide Bestände. Wer bei einer Plattform hielt, ist darauf angewiesen, dass diese die neue Kette unterstützt — nicht jede tut das, und in einigen Fällen wurden Bestände nie gutgeschrieben.
Steuerfrage: Die Behandlung aus Abspaltungen erhaltener Bestände richtet sich nach den Vorgaben der Finanzverwaltung und ist am aktuellen Stand zu prüfen. Pauschale Aussagen sind hier unangebracht.
Verwechslungsgefahr: Die Namensähnlichkeit hat wiederholt zu Fehlüberweisungen geführt. Eine an eine Adresse der falschen Kette gesendete Zahlung ist in aller Regel verloren.
Was daraus für die Bewertung folgt
Abspaltungen sind der praktische Beleg dafür, dass eine Blockchain keine feste Grösse ist, sondern das Ergebnis fortlaufender Übereinkunft ihrer Teilnehmer. Ändert sich diese Übereinkunft nicht einheitlich, entstehen zwei Ketten.
Für Anlageargumente ist das relevant. Die Behauptung, ein Kryptowert sei knapp, weil seine Menge begrenzt sei, wird durch Abspaltungen relativiert: Die Menge einer einzelnen Kette ist begrenzt, die Zahl der Ketten nicht.
Für Gutachten folgt daraus die Pflicht zur Präzision. Angaben zu Netzwerk, Kette und Zeitpunkt gehören zu jeder Transaktionsangabe — eine Kennung allein ist mehrdeutig, wenn mehrere Ketten dieselbe Vorgeschichte teilen.
Häufige Fragen
Habe ich nach einer Abspaltung Bestände auf beiden Ketten?
Wer zum Trennungszeitpunkt selbst verwahrte, ja. Wer bei einer Plattform hielt, ist darauf angewiesen, dass diese die neue Kette unterstützt — das war nicht überall der Fall.
Was passiert bei einer Zahlung an eine Adresse der falschen Kette?
Sie ist in aller Regel verloren. Die Namensähnlichkeit abgespaltener Werte hat wiederholt zu solchen Fehlüberweisungen geführt.
Was bedeuten Abspaltungen für das Knappheitsargument?
Die Menge einer einzelnen Kette ist begrenzt, die Zahl der Ketten nicht. Das relativiert die pauschale Behauptung, ein Kryptowert sei allein aufgrund einer festgelegten Obergrenze knapp.
Zusammenfassung
Roger Ver prägte den Streit über die Blockgrösse, der 2017 zur Abspaltung von Bitcoin Cash führte. Beide Ketten teilen die Vorgeschichte bis zum Trennungspunkt — in Gutachten sind Netzwerk und Kette deshalb stets anzugeben. Praktisch relevant sind Bestandsfragen bei Plattformverwahrung, die steuerliche Behandlung und die Verwechslungsgefahr bei Adressen.
Weiterführende Quellen
- Satoshi Nakamoto — Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System (PDF): bitcoin.org
- Europol — Internet Organised Crime Threat Assessment (IOCTA): www.europol.europa.eu