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Recht & Regulierung

Kurz erklärt: Eine Asset Freezing Order (deutsch etwa „Vermögenssicherungsanordnung“) ist eine gerichtliche oder behördliche Anordnung, die einer Person oder einem Dienst untersagt, bestimmte Vermögenswerte zu bewegen, zu übertragen oder zu veräußern. Im Kontext von Kryptowährungen wird sie eingesetzt, um Guthaben auf Börsen oder in Wallets bis zur Klärung eines Verfahrens zu sichern.

Herkunft und rechtliche Einordnung

Das Instrument stammt ursprünglich aus dem englischen Recht, wo es lange als Mareva Injunction (nach einem Urteil von 1975) bekannt war und heute als Freezing Order in den Civil Procedure Rules geregelt ist. Vergleichbare Mechanismen existieren in vielen Rechtsordnungen. In Deutschland entsprechen dem funktional der dingliche Arrest (§§ 916 ff. ZPO) im Zivilrecht sowie die vorläufige Sicherstellung und der Vermögensarrest (§ 111e StPO) im Strafverfahren.

Ziel ist stets die Sicherung, nicht die endgültige Einziehung: Vermögenswerte sollen dem Zugriff des Betroffenen vorübergehend entzogen werden, damit ein späteres Urteil oder eine spätere Rückführung an Geschädigte nicht ins Leere läuft.

Anwendung bei Kryptowährungen

Da Kryptoguthaben schnell und grenzüberschreitend transferiert werden können, spielt die zeitnahe Sicherung eine besondere Rolle. Praktisch richtet sich eine Anordnung meist an Dritte, die tatsächliche Kontrolle über die Werte ausüben:

  • Zentralisierte Börsen, die Kundenkonten sperren und Auszahlungen blockieren können.
  • Verwahrdienste (Custodians), die Wallets im Kundenauftrag verwalten.
  • Stablecoin-Emittenten, die einzelne Adressen technisch einfrieren können (etwa über eine Blacklist-Funktion).

Bei rein selbstverwahrten Wallets (Non-Custodial) lässt sich eine Anordnung technisch kaum durchsetzen, da niemand außer dem Schlüsselinhaber über die Werte verfügt. Hier bleibt sie eine rechtliche Verpflichtung des Betroffenen.

Verfahren und Grenzen

Anordnungen ergehen häufig ohne vorherige Anhörung des Betroffenen (ex parte), um eine Vorwarnung und rasche Verschiebung der Werte zu verhindern. Voraussetzung ist regelmäßig ein glaubhaft gemachter Anspruch sowie eine konkrete Gefahr der Vermögensverschiebung. Betroffene können nachträglich Rechtsmittel einlegen.

Grenzen bestehen bei der internationalen Durchsetzung: Betrifft die Anordnung Vermögen im Ausland, ist häufig ein Rechtshilfeverfahren erforderlich. Zudem greift die Anordnung nur dort, wo ein identifizierbarer Verwahrer existiert.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Einfrieren und Einziehung?

Das Einfrieren ist eine vorläufige Sicherungsmaßnahme, die den Zugriff sperrt. Die Einziehung ist die endgültige rechtliche Entziehung des Eigentums und erfolgt erst nach abgeschlossenem Verfahren.

Kann eine selbstverwahrte Wallet eingefroren werden?

Technisch nur eingeschränkt. Ohne einen kontrollierenden Dritten wie eine Börse gibt es keine Stelle, die die Anordnung umsetzen kann. Ausnahmen bestehen bei Stablecoins, deren Emittent einzelne Adressen sperren kann.

Wer beantragt eine Asset Freezing Order?

Je nach Rechtsordnung Geschädigte, Kläger oder Strafverfolgungsbehörden. Im Strafverfahren ordnen Gerichte auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Sicherung an.

Wie schnell muss gehandelt werden?

Bei Kryptowährungen ist Geschwindigkeit entscheidend, da Werte innerhalb von Minuten transferiert werden können. Anordnungen ergehen daher oft eilig und ohne Vorwarnung des Betroffenen.

Gilt eine deutsche Anordnung auch im Ausland?

Nicht automatisch. Für Vermögenswerte oder Dienste im Ausland ist regelmäßig ein Rechtshilfeersuchen oder eine Anerkennung durch die dortige Rechtsordnung nötig.

Zusammenfassung

Eine Asset Freezing Order ist eine gerichtliche oder behördliche Anordnung, die das Bewegen bestimmter Vermögenswerte untersagt. Bei Kryptowährungen richtet sie sich vor allem an Börsen, Verwahrdienste und Stablecoin-Emittenten, während selbstverwahrte Wallets kaum erfasst werden. Sie dient der Sicherung, nicht der endgültigen Einziehung.

Weiterführende Quellen

Fachlich verantwortet von David Lüdtke, Finanz Forensik GmbH. Stand: 2026-08-11. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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