Kurz erklärt: Quadratic Funding (quadratische Finanzierung) ist ein mathematisches Verfahren zur Verteilung eines gemeinsamen Fördertopfs, bei dem die Breite der Unterstützung stärker zählt als die absolute Höhe einzelner Beiträge. Es wird unter anderem von Gitcoin zur Finanzierung öffentlicher Güter eingesetzt.
Herkunft und Grundidee
Das Verfahren wurde 2018 in dem wissenschaftlichen Aufsatz „Liberal Radicalism“ von Vitalik Buterin, Zoë Hitzig und E. Glen Weyl formal beschrieben. Es baut auf Überlegungen zur optimalen Finanzierung öffentlicher Güter auf, also von Angeboten, die allen zugutekommen, aber von Einzelnen selten hinreichend bezahlt werden.
Die Kernidee: Ein Projekt, das von vielen Menschen mit kleinen Beträgen unterstützt wird, spiegelt einen breiteren gesellschaftlichen Nutzen wider als ein Projekt, das nur wenige Großspender hat. Quadratic Funding belohnt diese Breite, indem es die Verteilung eines Matching-Pools entsprechend gewichtet.
Die mathematische Formel
Der Matching-Betrag für ein Projekt ergibt sich nicht aus der Summe der Spenden, sondern aus dem Quadrat der Summe der Quadratwurzeln aller Einzelspenden. Vereinfacht gilt: Man zieht von jeder Spende die Wurzel, addiert diese Werte und quadriert das Ergebnis.
- Beispiel A: Eine Spende von 100 Euro ergibt (Wurzel 100)² = 10² = 100.
- Beispiel B: 100 Spenden zu je 1 Euro ergeben (100 × Wurzel 1)² = 100² = 10.000.
Obwohl in beiden Fällen 100 Euro direkt gespendet wurden, erhält Projekt B ein weit höheres Matching, weil die Unterstützung breiter verteilt ist. Die Differenz zwischen dieser errechneten Summe und den tatsächlichen Spenden wird aus dem Matching-Pool ausgeglichen.
Praxis, Grenzen und Schutzmechanismen
In der Praxis ist ein Matching-Pool stets begrenzt, weshalb die theoretischen Werte anteilig auf das verfügbare Budget skaliert werden. Das größte Risiko sind sogenannte Sybil-Angriffe: Wenn eine Person viele gefälschte Konten anlegt, kann sie die „Breite“ künstlich vortäuschen und das Verfahren aushebeln.
Deshalb ist Quadratic Funding auf zuverlässige Identitätsprüfung angewiesen. Plattformen wie Gitcoin kombinieren das Verfahren daher mit Reputations- und Identitätswerkzeugen. Eingesetzt wird die quadratische Finanzierung vor allem in DAO-Ökosystemen, häufig ergänzt durch Governance-Tools wie Snapshot oder Tally.
Häufige Fragen
Was ist Quadratic Funding einfach erklärt?
Es ist ein Förderverfahren, bei dem die Zahl der Unterstützer wichtiger ist als die Höhe der Einzelspenden. Projekte mit vielen kleinen Spendern erhalten überproportional viel aus einem gemeinsamen Matching-Topf.
Woher stammt das Konzept?
Es wurde 2018 im Aufsatz Liberal Radicalism von Vitalik Buterin, Zoë Hitzig und E. Glen Weyl formal ausgearbeitet.
Wie lautet die Grundformel?
Der geförderte Betrag ist das Quadrat der Summe der Quadratwurzeln aller Einzelspenden. Dadurch wird breite Unterstützung stärker gewichtet als wenige Großspenden.
Was ist ein Sybil-Angriff bei Quadratic Funding?
Ein Sybil-Angriff liegt vor, wenn jemand viele gefälschte Konten anlegt, um breite Unterstützung vorzutäuschen und mehr Matching-Mittel abzugreifen. Identitätsprüfung soll dies verhindern.
Wo wird Quadratic Funding eingesetzt?
Vor allem in Krypto- und DAO-Ökosystemen zur Finanzierung öffentlicher Güter, bekannt insbesondere durch die Förderrunden von Gitcoin.
Zusammenfassung
Quadratic Funding ist ein 2018 im Aufsatz Liberal Radicalism formalisiertes Verfahren zur Verteilung von Fördermitteln, das die Breite der Unterstützung höher gewichtet als die Höhe einzelner Spenden. Der Matching-Betrag ergibt sich aus dem Quadrat der Summe der Wurzeln aller Spenden. Das Verfahren wird vor allem von Gitcoin genutzt und ist auf verlässliche Identitätsprüfung gegen Sybil-Angriffe angewiesen.
Weiterführende Quellen
- Buterin, Hitzig, Weyl: Liberal Radicalism (arXiv): arxiv.org
- WikiWand / Wikipedia: Quadratic funding: en.wikipedia.org