Not all USDT is created equal: How scammers deceive with worthless fake tokens

Analyse: Täuschung von Betrugsopfern durch wertlose Token mit identischem Namen wie bekannte Kryptowährungen

Eine zunehmend verbreitete Masche im Bereich des Kapitalanlage- und Recovery-Betrugs setzt nicht mehr auf gefälschte Überweisungsbestätigungen, sondern auf echte, sichtbare Blockchain-Transaktionen: Opfern werden vermeintliche Kryptowährungen gutgeschrieben, die optisch den Eindruck etablierter Token wie USDT, USDC, ETH oder BTC vermitteln. Tatsächlich handelt es sich jedoch um selbst erzeugte, wertlose Token, die lediglich denselben oder einen nahezu identischen Namen tragen.

Für technisch unerfahrene Anleger erscheint im Wallet oder auf einem Blockchain-Explorer dadurch häufig ein Guthaben in Millionenhöhe. Diese Token besitzen jedoch keinen Marktwert, lassen sich auf keiner seriösen Börse handeln und wurden ausschließlich zur Täuschung erstellt.

Warum jeder einen eigenen „USDT“ erstellen kann

Auf nahezu allen modernen Blockchains – Ethereum, BNB Chain, Tron, Solana und weiteren – kann grundsätzlich jeder innerhalb weniger Minuten einen eigenen Token erzeugen. Dabei lässt sich nahezu frei festlegen, wie der Token heißt, welches Kürzel er trägt, wie viele Einheiten existieren, welches Logo angezeigt wird und wie er beschrieben ist. Eine technische Verpflichtung zur Eindeutigkeit des Namens gibt es nicht.

Dadurch können parallel mehrere Token mit fast identischer Bezeichnung existieren – etwa der echte Tether neben Varianten wie „USDT Token“, „Tether USD“, „USDT ERC20“ oder „USDT Official“. Jeder dieser Token besitzt einen eigenen, vollkommen unabhängigen Smart Contract.

Die eigentliche Täuschung

Betrüger nutzen diesen Umstand gezielt aus. Sie erzeugen einen Token mit der Bezeichnung „USDT“ oder „Tether USD“ und übertragen ihn anschließend auf die Wallet des Opfers. Da viele Wallet-Apps zunächst nur den Namen des Tokens anzeigen, geht der Anleger davon aus, echtes Tether erhalten zu haben. Erst bei genauer technischer Prüfung fällt auf, dass der Smart Contract ein völlig anderer ist als der des Originals.

Warum der Name keine Aussagekraft besitzt

Bei Kryptowährungen ist nicht der angezeigte Name entscheidend, sondern ausschließlich die zugrundeliegende technische Kennung – die Smart-Contract-Adresse bei Ethereum oder der BNB Chain, die Mint-Adresse bei Solana, die Asset-ID oder die Issuer-Adresse bei anderen Netzwerken wie XRP. Diese Adresse funktioniert wie eine Seriennummer; der Name ist dagegen lediglich ein frei wählbarer Anzeigetext ohne jede Beweiskraft.

Der echte USDT besitzt auf jeder Blockchain klar definierte, öffentlich bekannte Contract-Adressen, zum Beispiel:

Ethereum: 0xdAC17F958D2ee523a2206206994597C13D831ec7

BNB Chain: 0x55d398326f99059fF775485246999027B3197955

Tron: TR7NHqjeKQxGTCi8q8ZY4pL8otSzgjLj6t

Existiert stattdessen ein Token unter einer völlig anderen Adresse, etwa beginnend mit „0x91b2…“, handelt es sich trotz identischer Bezeichnung „USDT“ um einen vollkommen anderen, unabhängigen Token.

Das typische Betrugsmuster

In zahlreichen untersuchten Fällen verläuft der Betrug nach einem sehr ähnlichen Muster. Zunächst investiert das Opfer echtes Geld, woraufhin die Plattform hohe Scheingewinne anzeigt. Statt einer tatsächlichen Auszahlung werden dem Opfer plötzlich Token auf die eigene Wallet übertragen – etwa 500.000 USDT, 2 Millionen USDC oder 1.000 ETH. Diese Token tragen zwar den bekannten Namen, sind jedoch technisch vollkommen wertlos.

Der Betrüger erklärt dem Opfer anschließend, die Auszahlung sei erfolgt oder das Guthaben befinde sich bereits in dessen Wallet. Versucht das Opfer, die Token zu verkaufen, erscheinen Fehlermeldungen wie „No liquidity“, „Token not supported“, „Trading disabled“ oder „Unknown token“ – der vermeintliche Vermögenswert lässt sich schlicht nicht in echtes Geld umwandeln.

Warum Blockchain-Explorer täuschen können

Explorer wie Etherscan, BscScan, Tronscan oder Solscan zeigen zunächst häufig nur den Tokennamen prominent an. Contract-Adresse, Ersteller, Anzahl der Holder, Liquidität und Handelsvolumen sind zwar einsehbar, erfordern jedoch eine genauere Betrachtung, die viele Opfer nicht vornehmen.

Typische Merkmale wertloser Fake-Token

Bei forensischen Untersuchungen finden sich bei solchen Token regelmäßig dieselben Auffälligkeiten:

  • Keine Listung auf einer seriösen Börse und keine Liquidität durch einen entsprechenden Pool.
  • Keine Preisbildung – Dienste wie CoinMarketCap oder CoinGecko kennen den Token schlicht nicht.
  • Wenige Holder, oft ausschließlich der Betrüger und das Opfer als einzige Adressen.
  • Vollständige Kontrolle des Erstellers über Mint-, Freeze- oder Owner-Rechte, wodurch beliebig weitere Token erzeugt werden können.

Weitere Täuschungsvarianten

Neben identischen Namen kommen häufig nahezu identische Schreibweisen zum Einsatz – etwa „USDT.“, „USDT_“, „USD-T“, „USDTT“ oder „USDT Official“. Viele Wallets übernehmen zudem automatisch Logos, wodurch zusätzlich der Eindruck eines offiziellen Tokens entsteht. Noch häufiger jedoch werden angebliche Guthaben ausschließlich auf betrügerischen Handelsplattformen angezeigt, hinter denen überhaupt keine echte Blockchain steht – die vermeintlichen Guthaben sind dann schlicht Einträge in einer Datenbank.

Forensische Untersuchung

Im Rahmen einer Blockchain-Analyse wird deshalb niemals allein der angezeigte Name bewertet. Geprüft werden unter anderem der Smart Contract selbst, der Token-Ersteller, die Mint-Adresse, die Gesamtmenge, die Holder-Struktur, vorhandene Handelsplätze und Liquiditätspools, verfügbare Preisquellen sowie die Historie und der Erstellungszeitpunkt des Contracts. Erst die Gesamtheit dieser Informationen erlaubt eine belastbare Bewertung.

Bedeutung für Ermittlungen

Das Auftauchen eines wertlosen Tokens stellt regelmäßig keinen tatsächlichen Vermögenswert dar, sondern häufig ein weiteres Element der Betrugshandlung selbst. Aus strafrechtlicher Sicht kann dies ein zusätzlicher Hinweis auf Täuschungsabsicht, auf die Verschleierung des tatsächlichen Vermögensflusses oder auf die Vorspiegelung nicht existierender Vermögenswerte sein. Für Ermittlungsbehörden und Gerichte ist daher entscheidend, einen Token nicht anhand seines Namens, sondern anhand seiner technischen Identität und tatsächlichen Handelbarkeit zu bewerten.

Conclusion

Die Bezeichnung eines Tokens besitzt keine Aussagekraft über dessen Echtheit oder Wert. Auf den meisten Blockchains lassen sich beliebig viele Token mit identischem oder nahezu identischem Namen erzeugen – entscheidend für die Identifizierung ist ausschließlich die jeweilige Smart-Contract-, Mint- oder Asset-Adresse. In zahlreichen untersuchten Krypto-Betrugsfällen nutzen Täter diese technische Möglichkeit gezielt aus, um Opfern den Eindruck zu vermitteln, sie hätten werthaltige Kryptowährungen wie USDT, USDC oder ETH erhalten. Tatsächlich handelt es sich häufig um eigens erzeugte, wertlose Token ohne Liquidität, Marktpreis oder Handelbarkeit.

Eine forensische Blockchain-Analyse muss daher stets die technische Identität eines Tokens und dessen tatsächliche Marktfähigkeit prüfen, bevor belastbare Rückschlüsse auf vorhandene Vermögenswerte gezogen werden können.

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David Lüdtke
David Lüdtke is the managing director of Krypto Investigation GmbH and a certified Crystal Expert (CECF, CEEI, CEUI) specializing in blockchain and financial forensics.

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