Kurz erklärt: FIFO (englisch First In, First Out) ist ein Verbrauchsfolgeverfahren, mit dem bei der Krypto-Besteuerung nach § 23 EStG bestimmt wird, welche zuerst angeschafften Coins bei einem Verkauf als zuerst veräußert gelten.
Zweck und Funktionsweise
Werden Einheiten derselben Kryptowährung zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Preisen gekauft, lässt sich beim Teilverkauf nicht ohne Weiteres feststellen, welche konkreten Coins veräußert wurden. Da davon sowohl die Höhe des Gewinns als auch die Einhaltung der einjährigen Haltefrist abhängt, ist eine Zuordnungsregel erforderlich.
Nach dem FIFO-Prinzip wird unterstellt, dass die zuerst angeschafften Einheiten auch zuerst veräußert werden. Bei steigenden Kursen führt dies tendenziell zu höheren ausgewiesenen Gewinnen, gleichzeitig ist die Haltefrist der ältesten Coins am ehesten abgelaufen.
Rechtliche Grundlage
Das BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022 und dessen Ergänzungen sehen die FIFO-Methode als zulässiges Verfahren zur Ermittlung der Anschaffungskosten vor. Die Zuordnung erfolgt dabei grundsätzlich wallet-bezogen, das heißt getrennt für jede einzelne Wallet oder Adresse.
- Pro Wallet wird eine eigene FIFO-Reihenfolge geführt.
- Die einmal gewählte Methode sollte einheitlich und nachvollziehbar angewendet werden.
- Als Alternative wird in Teilen der Fachliteratur die Durchschnittsmethode diskutiert; FIFO gilt jedoch als Standard.
Praktische Bedeutung
Die FIFO-Methode ist in nahezu allen gängigen Krypto-Steuertools als Standardverfahren hinterlegt. Für Anleger ergeben sich daraus konkrete Konsequenzen:
- Durch gezielten Verkauf länger gehaltener Bestände können steuerfreie Gewinne (nach Ablauf der Haltefrist) realisiert werden.
- Eine lückenlose Dokumentation aller Transaktionen mit Datum, Menge und Kurs ist unerlässlich, da das Finanzamt die Nachvollziehbarkeit verlangt.
- Bei fehlender Dokumentation kann das Finanzamt die Bemessungsgrundlage schätzen.
Häufige Fragen
Was bedeutet FIFO in der Krypto-Steuer?
FIFO steht für First In, First Out. Es wird unterstellt, dass die zuerst gekauften Coins auch zuerst verkauft werden, was Gewinnhöhe und Haltefrist bestimmt.
Ist FIFO in Deutschland vorgeschrieben?
FIFO ist die von der Finanzverwaltung anerkannte Standardmethode und wird im BMF-Schreiben genannt. Die Zuordnung erfolgt dabei wallet-bezogen.
Warum ist die Methodenwahl wichtig?
Weil sie bestimmt, welche Anschaffungskosten und welches Kaufdatum einem Verkauf zugeordnet werden, und damit sowohl Gewinnhöhe als auch die einjährige Haltefrist beeinflusst.
Was ist der Unterschied zwischen FIFO und LIFO?
Bei LIFO (Last In, First Out) gelten die zuletzt gekauften Coins als zuerst verkauft. In Deutschland ist für Kryptowährungen FIFO das gebräuchliche Verfahren.
Muss ich alle Transaktionen dokumentieren?
Ja. Ohne lückenlose Aufzeichnung von Datum, Menge und Kurs kann die FIFO-Zuordnung nicht nachvollzogen werden und das Finanzamt kann schätzen.
Zusammenfassung
FIFO ist das in Deutschland übliche Verbrauchsfolgeverfahren, das bei Teilverkäufen von Kryptowährungen die zuerst angeschafften Einheiten als zuerst veräußert unterstellt. Es wird wallet-bezogen angewendet und bestimmt Gewinnhöhe sowie Einhaltung der einjährigen Haltefrist.
Weiterführende Quellen
- BMF-Schreiben zu Kryptowerten (Bundesfinanzministerium): www.bundesfinanzministerium.de
- § 23 EStG – gesetze-im-internet.de: www.gesetze-im-internet.de