Kurz erklärt: Ein Automated Market Maker (AMM, deutsch automatisierter Market Maker) ist ein auf Smart Contracts basierender Mechanismus dezentraler Börsen, der Preise und Handel algorithmisch über Liquidity Pools abwickelt, anstatt Kauf- und Verkaufsaufträge in einem Orderbuch zusammenzuführen.
Herkunft und Entwicklung
Das AMM-Modell wurde ab 2018 durch dezentrale Börsen auf Ethereum bekannt, allen voran Uniswap, dessen erste Version die Formel des konstanten Produkts populär machte. Die konzeptionelle Idee automatisierter Market Maker geht auf ältere Arbeiten zu Prognosemärkten zurück. In der Folge entstanden Varianten wie Curve, das auf den Handel eng korrelierter Vermögenswerte wie Stablecoins spezialisiert ist, sowie Balancer mit Pools aus mehr als zwei Token. AMMs sind heute auf zahlreichen Blockchains wie Solana, BNB Chain und Polygon verbreitet.
Funktionsweise
Ein AMM bestimmt Preise über eine feste mathematische Beziehung zwischen den Beständen in einem Liquidity Pool. Das klassische Modell ist die Formel des konstanten Produkts:
- x mal y gleich k: Das Produkt der beiden Token-Mengen im Pool bleibt konstant. Wird ein Token gekauft, sinkt dessen Bestand und der Preis steigt entsprechend an.
Der Preis ergibt sich also automatisch aus dem Verhältnis der beiden Bestände. Große Aufträge im Verhältnis zur Poolgröße führen zu einer spuerbaren Preisverschiebung, die als Slippage bezeichnet wird. Die Liquidität stammt von Liquidity Providern, die im Gegenzug an den Handelsgebühren beteiligt werden.
Varianten und Weiterentwicklungen
Neben dem konstanten Produktmodell haben sich weitere Ansätze etabliert:
- StableSwap (z. B. Curve): angepasste Kurven für Vermögenswerte mit ähnlichem Wert, um Slippage zu minimieren.
- Gewichtete Pools (z. B. Balancer): Pools mit mehreren Token und individueller Gewichtung.
- Concentrated Liquidity (z. B. Uniswap v3): Liquidität kann auf bestimmte Preisspannen konzentriert werden, was die Kapitaleffizienz erhöht.
Bedeutung und Risiken
AMMs ermöglichen erlaubnisfreien, kontinuierlichen Handel ohne zentrale Vermittler und bilden das Fundament vieler Yield-Farming-Strategien. Zu den Risiken zählen Impermanent Loss für Liquidity Provider, Slippage bei großen Orders sowie die Anfälligkeit für Preismanipulation, insbesondere wenn AMM-Preise als Datenquelle für Oracles genutzt werden. Wie alle DeFi-Bausteine unterliegen AMMs zudem dem allgemeinen Smart-Contract-Risiko.
Häufige Fragen
Was ist ein Automated Market Maker?
Ein Algorithmus dezentraler Börsen, der Preise und Handel über Liquidity Pools und eine mathematische Formel bildet, statt über ein Orderbuch.
Wie funktioniert die Formel x mal y gleich k?
Das Produkt der beiden Token-Bestände im Pool bleibt konstant. Der Kauf eines Tokens verringert dessen Bestand und erhöht dadurch dessen Preis.
Was ist Slippage?
Die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis, die vor allem bei großen Orders im Verhältnis zur Poolgröße auftritt.
Was bedeutet Concentrated Liquidity?
Ein Modell, bei dem Liquidity Provider ihr Kapital gezielt auf bestimmte Preisbereiche konzentrieren können, um die Kapitaleffizienz zu steigern.
Brauchen AMMs ein Orderbuch?
Nein. AMMs ersetzen das Orderbuch durch algorithmische Preisbildung auf Basis der Bestände in einem Liquidity Pool.
Zusammenfassung
Ein Automated Market Maker ist der algorithmische Kern dezentraler Börsen und bildet Preise über Liquidity Pools und mathematische Formeln wie x mal y gleich k statt über Orderbücher. Das Modell wurde ab 2018 durch Uniswap auf Ethereum populär und existiert in Varianten für Stablecoins, gewichtete Pools und konzentrierte Liquidität. AMMs ermöglichen erlaubnisfreien Handel, bringen aber Risiken wie Slippage, Impermanent Loss und Manipulationsanfälligkeit mit sich.
Weiterführende Quellen
- Wikipedia: Dezentrale Finanzen (DeFi): de.wikipedia.org
- Uniswap Docs: Funktionsweise des Protokolls: docs.uniswap.org