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Technische Grundlagen

Kurz erklärt: Perpetual Futures (deutsch etwa „unbefristete Terminkontrakte“, auch Perpetual Swaps) sind derivative Finanzinstrumente auf Kryptowerte, die im Gegensatz zu klassischen Futures kein festes Verfalls- oder Ablaufdatum besitzen und deren Marktpreis durch die periodisch ausgezahlte Funding Rate an den zugrunde liegenden Spotpreis herangefuhrt wird.

Herkunft und Einordnung

Das Konzept eines Terminkontrakts ohne Verfallsdatum geht auf einen Vorschlag des Wirtschaftswissenschaftlers Robert Shiller aus dem Jahr 1992 zuruck, der sogenannte perpetual claims zur Absicherung illiquider Markte beschrieb. Praktische Verbreitung fand die Bauform ab 2016, als die Handelsplattform BitMEX den ersten Perpetual Swap auf Bitcoin einfuhrte. In der Folge ubernahmen zahlreiche zentralisierte Borsen (etwa Binance, Bybit, OKX, Deribit) sowie dezentrale Protokolle (etwa dYdX, GMX, Hyperliquid) das Modell.

Perpetual Futures gehoren zur Klasse der Derivate: Ihr Wert leitet sich von einem Basiswert ab, ohne dass dieser physisch geliefert wird. Die Abrechnung erfolgt in der Regel als Barausgleich (cash settled), haufig in einer Stablecoin wie USDT oder USDC.

Funktionsweise

Da ein Verfallsdatum fehlt, existiert kein naturlicher Mechanismus, der den Kontraktpreis zum Laufzeitende mit dem Spotpreis zusammenfuhrt. Diese Angleichung ubernimmt die Funding Rate: In festgelegten Intervallen (oft alle acht Stunden) zahlen je nach Vorzeichen der Rate die Inhaber von Long- an die Inhaber von Short-Positionen oder umgekehrt. Handelt der Kontrakt uber dem Spotpreis, zahlen typischerweise Long-Positionen; handelt er darunter, zahlen Short-Positionen.

  • Hebel (Leverage): Positionen werden mit hinterlegter Sicherheitsleistung (Margin) eroffnet und ermoglichen ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals als Positionsgröße.
  • Mark Price: Zur Bewertung offener Positionen und zur Auslösung von Liquidationen nutzen Borsen einen geglaetteten Referenzpreis statt des zuletzt gehandelten Kurses, um Manipulation zu erschweren.
  • Collateral: Als hinterlegte Sicherheit dienen je nach Plattform Stablecoins, die Basiswährung selbst oder ein Korb mehrerer Vermögenswerte.

Verbindungen und Risiken

Perpetual Futures sind eng mit weiteren Bausteinen des Krypto-Handels verknupft. Reicht die hinterlegte Margin nicht mehr aus, um Verluste zu decken, wird die Position durch die Liquidation zwangsweise geschlossen. Auf dezentralen Plattformen wird die gesamte Abwicklung durch Smart Contracts abgebildet, während zentrale Borsen ein internes Orderbuch fuhren.

Die Instrumente gelten aufgrund von Hebelwirkung, möglichem Totalverlust der Margin und der laufenden Funding-Zahlungen als risikoreich. In der Europäischen Union unterliegt der Handel mit Kryptowerten zunehmend regulatorischen Rahmenwerken wie der Verordnung MiCA; Aufsichtsbehörden wie die BaFin weisen wiederholt auf die hohen Verlustrisiken gehebelter Krypto-Produkte hin.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Perpetual Futures von klassischen Futures?

Klassische Futures haben ein festes Verfallsdatum, an dem der Kontrakt abgerechnet wird. Perpetual Futures besitzen kein Verfallsdatum und können theoretisch unbegrenzt gehalten werden; die Preisangleichung an den Spotmarkt erfolgt uber die Funding Rate statt uber einen Laufzeitende.

Warum wird eine Funding Rate benötigt?

Ohne Verfallsdatum fehlt der Mechanismus, der den Kontraktpreis am Laufzeitende mit dem Spotpreis zusammenfuhrt. Die Funding Rate ersetzt dies, indem sie durch periodische Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen einen Anreiz schafft, den Kontraktpreis nahe am Spotpreis zu halten.

Was bedeutet der Hebel bei Perpetual Futures?

Der Hebel erlaubt es, mit einer vergleichsweise kleinen Sicherheitsleistung (Margin) eine deutlich größere Position zu kontrollieren. Er vergrößert sowohl mögliche Gewinne als auch Verluste und erhöht das Risiko einer Liquidation.

Sind Perpetual Futures für Privatpersonen ohne Weiteres zugänglich?

Das hängt von Anbieter und Rechtsraum ab. In einigen Jurisdiktionen ist der Handel gehebelter Krypto-Derivate für Privatkunden eingeschränkt oder untersagt. Aufsichtsbehörden verweisen regelmäßig auf die hohen Verlustrisiken.

Was ist der Unterschied zwischen dem letzten Kurs und dem Mark Price?

Der letzte Kurs ist der zuletzt tatsächlich gehandelte Preis. Der Mark Price ist ein aus mehreren Quellen geglaetteter Referenzpreis, den Borsen zur Bewertung offener Positionen und zur Auslösung von Liquidationen verwenden, um kurzfristige Manipulation zu erschweren.

Zusammenfassung

Perpetual Futures sind gehebelte Krypto-Derivate ohne Verfallsdatum, die 2016 von BitMEX populär gemacht wurden und auf einer Idee von Robert Shiller aus dem Jahr 1992 beruhen. Ihr Preis wird nicht durch einen Ablauftermin, sondern durch die periodische Funding Rate an den Spotpreis gekoppelt. Sie sind eng mit Margin, Liquidation und Smart Contracts verbunden und gelten wegen der Hebelwirkung als risikoreich.

Weiterführende Quellen

Fachlich verantwortet von David Lüdtke, Finanz Forensik GmbH. Stand: 2026-08-11. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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