Kurz erklärt:
Fake-Liquidity bezeichnet die Vortäuschung einer tatsächlich nicht vorhandenen oder jederzeit entziehbaren Handelsbarkeit eines Tokens. Manipulierte Liquiditätspools oder kuenstlich erzeugtes Handelsvolumen sollen den Eindruck eines funktionsfähigen, liquiden Marktes erwecken.
Herkunft und Einordnung
Der Begriff entstand mit der Verbreitung dezentraler Börsen (siehe DEX) und automatisierter Market-Maker etwa ab 2020, als das Anlegen eigener Handelspaare ohne zentrale Prüfung möglich wurde. Liquidität, also die Verfügbarkeit von Handelspartnern und Kapital für Kauf und Verkauf, wird in solchen Systemen durch Liquiditätspools bereitgestellt. Fake-Liquidity nutzt aus, dass die Existenz eines Pools noch nichts über dessen Beständigkeit aussagt.
Erscheinungsformen
Eine verbreitete Form ist der sogenannte Rug-Pull, bei dem zunächst ein Pool mit Kapital ausgestattet und nach dem Kauf durch Dritte kurzfristig wieder abgezogen wird. Eine weitere Form ist das Wash-Trading, bei dem Angreifer mit sich selbst handeln, um ein hohes Volumen vorzutäuschen. Auch das Sperren oder verzögerte Freigeben von Verkaufsfunktionen im Token-Vertrag kann Liquidität vortäuschen, obwohl ein Verkauf faktisch nicht möglich ist (siehe Honeypot).
Technische Merkmale
Bei dezentralen Börsen ist das Vorhandensein und die Bindung von Liquidität öffentlich einsehbar. Ein Risikoindikator ist, ob die Liquidität dauerhaft gebunden (gesperrt) oder frei entziehbar ist. Werden die Anteilsscheine eines Pools, sogenannte LP-Token, von einer einzelnen Adresse gehalten und nicht in einem zeitgesperrten Vertrag hinterlegt, kann die Liquidität jederzeit entfernt werden. Kuenstliches Volumen lässt sich an sich wiederholenden Handelsmustern zwischen wenigen, verbundenen Adressen erkennen.
Bedeutung für Nutzer und Ermittlung
Fake-Liquidity führt dazu, dass ein Token zwar handelbar erscheint, ein Verkauf aber zu einem starken Kursverfall führt oder gar nicht ausführbar ist. Für die Ermittlung sind die öffentlichen Vertrags- und Pooldaten relevant, da Kapitalzuflüsse und -abflüsse sowie beteiligte Adressen nachvollziehbar dokumentiert sind.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Fake-Liquidity?
Hinweise sind frei entziehbare, nicht dauerhaft gesperrte Liquidität, LP-Token in der Hand einer einzelnen Adresse sowie Handelsvolumen, das nur zwischen wenigen verbundenen Adressen zustande kommt.
Was bedeutet gesperrte Liquidität?
Gesperrte Liquidität ist in einem zeitgebundenen Vertrag hinterlegt und kann für einen definierten Zeitraum nicht abgezogen werden. Das verringert das Risiko eines kurzfristigen Entzugs, ist aber keine Garantie für Seriosität.
Ist Fake-Liquidity dasselbe wie ein Rug-Pull?
Nein. Der Rug-Pull ist eine konkrete Ausprägung, bei der zuvor bereitgestellte Liquidität abgezogen wird. Fake-Liquidity ist der Oberbegriff und umfasst auch Wash-Trading und vorgetäuschte Handelbarkeit.
Warum kann ich einen Token kaufen, aber nicht verkaufen?
In sogenannten Honeypot-Konstruktionen ist die Verkaufsfunktion im Vertrag gesperrt oder eingeschränkt. Der Kauf erzeugt Liquidität für die Betreiber, ein Verkauf durch andere ist jedoch technisch blockiert.
Sind kuenstliche Handelsvolumina nachweisbar?
Ja. Da Transaktionen öffentlich sind, lassen sich wiederkehrende Muster zwischen verbundenen Adressen und Selbsthandel durch Analyse der Kette erkennen.
Zusammenfassung
Fake-Liquidity täuscht einen liquiden, handelbaren Markt vor, obwohl die Liquidität fehlt, jederzeit entziehbar ist oder Verkaufsfunktionen gesperrt sind. Typische Formen sind Rug-Pulls, Wash-Trading und Honeypot-Verträge. Da Pool- und Vertragsdaten öffentlich sind, lassen sich Anzeichen wie ungesperrte Liquidität und kuenstliches Volumen analysieren.
Weiterführende Quellen
- Chainalysis: Rug Pulls and Crypto Scams: www.chainalysis.com
- Uniswap Docs: Providing Liquidity: docs.uniswap.org