Kurz erklärt: Conviction Voting (deutsch etwa: Überzeugungsabstimmung) ist ein Abstimmungsverfahren für die dezentrale Mittelvergabe, bei dem das Stimmgewicht einer Stimme mit der Dauer wächst, über die ein Teilnehmer einen Vorschlag kontinuierlich unterstützt, statt zu einem festen Zeitpunkt gezählt zu werden.
Herkunft und Zielsetzung
Conviction Voting wurde massgeblich vom Commons Stack und der Blockchain Governance Group um Michael Zargham (BlockScience) ab etwa 2018/2019 konzipiert und später in Werkzeugen wie Aragon Gardens und der 1Hive-Community umgesetzt. Ziel ist es, kollektive Budgetentscheidungen in DAOs ohne starre Abstimmungstermine zu ermöglichen und kurzfristige Manipulationen zu erschweren.
Anders als bei einer klassischen Ja/Nein-Abstimmung zu einem Stichtag signalisieren Teilnehmer ihre Präferenz fortlaufend, indem sie Stimmgewicht auf Vorschläge legen.
Funktionsweise
Das Verfahren beruht auf einer zeitgewichteten Akkumulation:
- Jeder Teilnehmer verteilt sein Stimmgewicht (meist an Token gebunden) auf einen oder mehrere aktive Vorschläge.
- Die „Conviction“ eines Vorschlags wächst, solange Stimmgewicht darauf liegt, und nähert sich mathematisch einem Maximalwert an; sie fällt, wenn Unterstützung abgezogen wird.
- Ein Vorschlag gilt als angenommen, sobald seine akkumulierte Conviction einen Schwellenwert überschreitet, der mit der geforderten Summe im Verhältnis zum Gesamt-Budget steigt.
Dadurch können kleinere Ausgaben schneller freigegeben werden, während hohe Beträge eine länger anhaltende, breite Unterstützung erfordern. Es gibt keinen festen Abstimmungsschluss, Entscheidungen laufen kontinuierlich.
Vorteile und Grenzen
Als Vorteile gelten die Resistenz gegen kurzfristige Stimmen-Mobilisierung (Last-Minute-Attacken) und der geringere Koordinationsaufwand, da keine synchronen Abstimmungen nötig sind. Zu den Grenzen zählen die schwerere Verständlichkeit für Laien, die Bindung des Stimmgewichts an Token-Besitz (was Plutokratie begünstigen kann) sowie die Trägheit bei dringenden Entscheidungen. Conviction Voting wird oft mit anderen Governance-Bausteinen wie Delegation kombiniert und im Kontext von Public Goods Funding eingesetzt.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Conviction Voting von klassischen Abstimmungen?
Es gibt keinen festen Stichtag. Das Stimmgewicht wächst, solange ein Teilnehmer einen Vorschlag unterstützt, sodass anhaltende Überzeugung mehr zählt als kurzfristige Mehrheiten.
Wer hat Conviction Voting entwickelt?
Das Verfahren geht massgeblich auf den Commons Stack und BlockScience (Michael Zargham) um 2018/2019 zurück und wurde in Aragon Gardens und der 1Hive-Community umgesetzt.
Wann gilt ein Vorschlag als angenommen?
Sobald die akkumulierte Conviction einen Schwellenwert überschreitet. Dieser steigt mit der geforderten Summe im Verhältnis zum verfügbaren Budget.
Welchen Vorteil bietet das Verfahren?
Es erschwert kurzfristige Manipulationen und Last-Minute-Stimmen und benötigt keine synchronen Abstimmungstermine.
Welche Nachteile hat Conviction Voting?
Es ist schwerer verständlich, bindet Stimmgewicht meist an Token-Besitz und kann bei dringenden Entscheidungen träge reagieren.
Zusammenfassung
Conviction Voting ist ein zeitgewichtetes Abstimmungsverfahren für DAO-Budgets, bei dem das Stimmgewicht mit der Dauer der Unterstützung wächst. Es wurde ab 2018/2019 vom Commons Stack geprägt und in Werkzeugen wie Aragon Gardens und 1Hive umgesetzt, um kontinuierliche und manipulationsresistente Entscheidungen zu ermöglichen.
Weiterführende Quellen
- Commons Stack: Conviction Voting: medium.com
- 1Hive Gardens Dokumentation: 1hive.gitbook.io