Kurz erklärt: Die Common-Input-Heuristik (auch Multi-Input- oder Co-Spend-Heuristik) ist eine grundlegende Annahme der Blockchain-Analyse: Werden in einer Transaktion mehrere Eingänge (Inputs) gemeinsam ausgegeben, wird angenommen, dass alle zugehörigen Adressen von derselben Entität kontrolliert werden.
Technischer Hintergrund
Um in Bitcoin mehrere UTXOs in einer Transaktion auszugeben, muss der Absender für jeden Eingang eine gültige Signatur mit dem jeweiligen privaten Schlüssel bereitstellen. Da normalerweise nur eine Person über alle diese Schlüssel verfügt, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sämtliche Eingangsadressen demselben Wallet gehören. Diese Beobachtung wurde bereits im Bitcoin-Whitepaper von Satoshi Nakamoto (2008) als Datenschutzrisiko angedeutet.
Wiederholt man diese Zuordnung über die gesamte Blockchain, entstehen große Gruppen zusammengehöriger Adressen. Dieser Prozess bildet die Grundlage der Cluster-Attribution.
Anwendung in der Forensik
Die Common-Input-Heuristik gilt als robusteste und am häufigsten eingesetzte Heuristik der Blockchain-Analyse, da sie im Regelfall zuverlässiger ist als die Change-Address-Heuristik. Ermittler und Analysefirmen wie Chainalysis oder Elliptic nutzen sie, um:
- Adressen einer Börse, eines Dienstes oder einer Einzelperson zu bündeln
- Geldflüsse über viele Adressen hinweg nachzuvollziehen
- Ausgangspunkte für den Sanktionslisten-Abgleich zu schaffen
Einschränkungen
Die Heuristik verliert ihre Gültigkeit bei kollaborativen Transaktionen, in denen mehrere unabhängige Parteien gemeinsam signieren. Wichtigste Beispiele:
- CoinJoin und andere Mixing-Verfahren, bei denen viele Nutzer ihre Eingänge in einer Transaktion bündeln
- PayJoin, bei dem Zahlender und Empfänger Eingänge beisteuern
- Multi-Party-Protokolle und einige Lightning-Kanaloperationen
In solchen Fällen führt die naive Anwendung zu falschen Cluster-Zusammenlegungen. Moderne Analysewerkzeuge versuchen daher, CoinJoin-Transaktionen zu erkennen und von der Heuristik auszunehmen.
Häufige Fragen
Was besagt die Common-Input-Heuristik?
Sie besagt, dass alle Eingangsadressen einer Transaktion vermutlich demselben Besitzer gehören, weil zum Ausgeben jedes Eingangs der jeweilige private Schlüssel benötigt wird.
Warum gilt sie als besonders zuverlässig?
Weil die gemeinsame Signatur mehrerer Eingänge in normalen Wallet-Transaktionen technisch bedingt vom selben Nutzer stammt. Ausnahmen entstehen nur durch bewusste Kollaboration mehrerer Parteien.
Wie umgehen Mixing-Dienste diese Heuristik?
CoinJoin-Transaktionen kombinieren die Eingänge vieler unabhängiger Nutzer in einer einzigen Transaktion. Dadurch würde die Heuristik fälschlich fremde Adressen zusammenlegen, weshalb solche Transaktionen ausgefiltert werden müssen.
Gilt die Heuristik auch für Ethereum?
Nein. Ethereum ist konten-basiert und kennt keine Multi-Input-Transaktionen im UTXO-Sinn. Die Common-Input-Heuristik ist ein Merkmal von UTXO-Blockchains wie Bitcoin.
Zusammenfassung
Die Common-Input-Heuristik schließt aus der gemeinsamen Ausgabe mehrerer Transaktionseingänge, dass diese demselben Besitzer gehören. Sie ist die wichtigste Grundlage der Cluster-Attribution, verliert ihre Aussagekraft jedoch bei CoinJoin- und anderen kollaborativen Transaktionen.
Weiterführende Quellen
- Satoshi Nakamoto: Bitcoin Whitepaper (Abschnitt Privacy): bitcoin.org
- Meiklejohn et al.: A Fistful of Bitcoins: dl.acm.org