Kurz erklärt:
Proof of Reserves (Nachweis der Reserven) ist ein Verfahren, mit dem Kryptobörsen und Verwahrer belegen, dass sie die Kundenbestände tatsächlich halten. Es kombiniert einen kryptografischen Nachweis der Verbindlichkeiten, meist über einen Merkle-Baum, mit einem Nachweis der on-chain gehaltenen Vermögenswerte.
Hintergrund und Motivation
Proof of Reserves gewann nach mehreren Insolvenzen zentralisierter Kryptodienstleister an Bedeutung, insbesondere nach dem Zusammenbruch der Börse FTX im November 2022. In solchen Fällen stellte sich heraus, dass Kundenbestände nicht vollständig gedeckt waren. Ziel des Verfahrens ist es, Nutzern einen überprüfbaren Beleg dafür zu geben, dass ihre hinterlegten Guthaben durch tatsächliche Bestände gedeckt sind.
Das Verfahren wird häufig im Zusammenhang mit regulatorischen Anforderungen an Verwahrer diskutiert, etwa der BaFin-Kryptoverwahrlizenz oder der MiCA CASP-Lizenz.
Technische Funktionsweise
Der Nachweis besteht typischerweise aus zwei Teilen. Erstens werden die Verbindlichkeiten, also die Summe aller Kundenguthaben, in einem Merkle-Baum zusammengefasst. Jeder Nutzer kann anhand eines individuellen Merkle-Beweises prüfen, dass sein Guthaben in die Gesamtsumme eingeflossen ist, ohne die Guthaben anderer Nutzer offenzulegen.
Zweitens weist der Anbieter die Kontrolle über die Vermögenswerte nach, etwa durch das Offenlegen von Wallet-Adressen, durch signierte Nachrichten oder durch Testtransaktionen. Ein Ergebnis, bei dem die nachgewiesenen Vermögenswerte die Verbindlichkeiten erreichen oder übersteigen, gilt als vollständige Deckung. Neuere Ansätze nutzen zusätzlich Zero-Knowledge-Beweise, um die Korrektheit der Summenbildung zu belegen und zugleich negative Salden auszuschliessen.
Grenzen und Aussagekraft
Proof of Reserves hat methodische Grenzen. Das Verfahren ist stets eine Momentaufnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt und sagt nichts über davor oder danach liegende Zeitraeume aus. Es kann zudem geliehene Bestände oder ausserbilanzielle Verbindlichkeiten nicht zwingend erfassen, wenn diese nicht in die Berechnung einfliessen.
Ohne unabhängige Prüfung bleibt offen, ob die ausgewiesenen Verbindlichkeiten vollständig sind. Aus diesem Grund wird Proof of Reserves häufig mit einer Attestation durch einen Wirtschaftsprüfer oder einem umfassenderen Reserve-Audit kombiniert, um die Vollständigkeit der Angaben zu erhöhen.
Häufige Fragen
Was weist Proof of Reserves nach?
Es weist nach, dass ein Verwahrer oder eine Börse zu einem bestimmten Zeitpunkt genug Vermögenswerte hält, um die verbuchten Kundenguthaben zu decken.
Welche Rolle spielt der Merkle-Baum?
Der Merkle-Baum fasst alle Kundenguthaben zu einer prüfbaren Gesamtsumme zusammen. Nutzer können ihr eigenes Guthaben verifizieren, ohne dass fremde Salden offengelegt werden.
Ist Proof of Reserves dasselbe wie ein Audit?
Nein. Proof of Reserves ist ein technischer Nachweis. Ein Audit oder eine Attestation durch Wirtschaftsprüfer prüft zusätzlich die Vollständigkeit und Richtigkeit der zugrunde liegenden Angaben.
Warum reicht Proof of Reserves allein oft nicht aus?
Weil es nur eine Momentaufnahme ist und ausserbilanzielle oder verschwiegene Verbindlichkeiten nicht zwingend erfasst. Deshalb wird es mit einer unabhängigen Prüfung ergänzt.
Was leisten Zero-Knowledge-Beweise dabei?
Sie erlauben es, die Korrektheit der Summenbildung und das Fehlen negativer Salden zu belegen, ohne einzelne Kundendaten offenzulegen.
Zusammenfassung
Proof of Reserves ist ein kryptografisches Verfahren, mit dem Börsen und Verwahrer die Deckung verwahrter Kundenguthaben belegen. Es verbindet einen Merkle-Baum-Nachweis der Verbindlichkeiten mit einem Nachweis der gehaltenen Vermögenswerte. Als Momentaufnahme hat es Grenzen und wird oft mit einer Attestation ergänzt.
Weiterführende Quellen
- Vitalik Buterin: Having a safe CEX Proof of solvency and beyond: vitalik.eth.limo
- Kraken: Proof of Reserves: www.kraken.com