Kurz erklärt:
1inch Fusion ist ein 2022 eingeführter Handelsmodus des dezentralen Aggregators 1inch, bei dem Nutzer eine signierte Tauschabsicht (Intent) abgeben, die von wettbewerbenden Akteuren, den sogenannten Resolvern, ausgeführt wird. Charakteristisch sind eine gasfreie Ausführung für den Nutzer sowie ein Preisfindungsmechanismus in Form einer hollaendischen Auktion.
Herkunft und Einordnung
1inch wurde 2019 von den Entwicklern Sergej Kunz und Anton Bukov gegründet und gilt als einer der bekanntesten Aggregatoren für dezentrale Börsen. Der Fusion-Modus wurde Ende 2022 als Teil des sogenannten 1inch Network vorgestellt und erweiterte das bestehende Routing-Angebot um ein intent-basiertes Modell. Fusion steht als Alternative zur klassischen Aggregations-Route bereit, bei der Transaktionen direkt vom Nutzer an Smart Contracts gesendet werden. Das Konzept ordnet sich in eine breitere Entwicklung im DeFi-Bereich ein, in der Handelsabsichten von der eigentlichen Ausführung getrennt werden.
Funktionsweise
Bei Fusion unterzeichnet der Nutzer eine Order, die Mindestbedingungen für den gewünschten Tausch festlegt. Diese Order wird nicht sofort ausgeführt, sondern über eine hollaendische Auktion angeboten: Der akzeptierte Ausgabepreis sinkt über einen definierten Zeitraum, bis ein Resolver die Order zu einem für ihn profitablen Kurs erfüllt. Resolver sind spezialisierte Akteure, die die Ausführung übernehmen und dabei die Transaktionsgebühren (Gas) tragen. Für den Endnutzer entsteht dadurch ein gasfreier Ablauf, da die Kosten in den Wechselkurs eingepreist werden. Das Verfahren soll ausserdem den Schutz vor MEV (Maximal Extractable Value) verbessern, da die Order nicht als angreifbare öffentliche Transaktion im Mempool erscheint.
Technische Grundlage und Weiterentwicklung
Fusion baut auf dem 1inch Limit Order Protocol auf und nutzt signierte Off-Chain-Orders in Verbindung mit On-Chain-Settlement-Verträgen. 2023 wurde mit Fusion+ eine Erweiterung angekündigt, die Cross-Chain-Swaps über ein auf Hashed-Timelock-Contracts basierendes Verfahren ermöglichen soll. Der native Token des Netzwerks, 1INCH, dient unter anderem der Governance und dem Staking, über das Resolver teilweise am System teilnehmen. Fusion ist Teil des Open-Source-Ökosystems von 1inch und wird über die 1inch-Anwendung sowie die zugehörige API angeboten.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Fusion vom klassischen 1inch-Aggregator?
Beim klassischen Aggregator sendet der Nutzer die Transaktion selbst und zahlt Gas. Bei Fusion signiert er lediglich eine Order, die von Resolvern ausgeführt wird, wodurch der Ablauf für den Nutzer gasfrei ist.
Was sind Resolver?
Resolver sind Akteure, die Fusion-Orders erfüllen. Sie tragen die Netzwerkgebühren und übernehmen die Ausführung, wobei sie durch die Preisspanne der hollaendischen Auktion einen Anreiz erhalten.
Was ist eine hollaendische Auktion in diesem Kontext?
Der akzeptierte Ausgabepreis einer Order sinkt über die Zeit, bis ein Resolver den Tausch zu einem für ihn wirtschaftlichen Kurs ausführt.
Bietet Fusion Schutz vor MEV?
Da Orders nicht als offene Transaktionen im Mempool erscheinen, soll das Verfahren die Anfälligkeit für bestimmte Front-Running- und Sandwich-Strategien verringern.
Auf welchen Netzwerken ist Fusion verfügbar?
Fusion wird auf mehreren EVM-kompatiblen Netzwerken angeboten; mit Fusion+ ist zusätzlich ein Cross-Chain-Ansatz vorgesehen.
Zusammenfassung
1inch Fusion ist ein 2022 eingeführter Swap-Modus des DEX-Aggregators 1inch, bei dem Nutzer signierte Tauschabsichten abgeben, die von Resolvern über eine hollaendische Auktion ausgeführt werden. Der Ablauf ist für den Nutzer gasfrei und soll den Schutz vor MEV verbessern. Fusion baut auf dem 1inch Limit Order Protocol auf und wurde mit Fusion+ um Cross-Chain-Funktionen ergänzt.
Weiterführende Quellen
- 1inch Network Dokumentation: docs.1inch.io
- 1inch offizielle Website: 1inch.io