Kurz erklärt: Drainer-as-a-Service (DaaS) ist ein kriminelles Geschäftsmodell, bei dem Entwickler fertige Wallet-Drainer als Mietsoftware bereitstellen, mit denen Kunden ohne eigene Programmierkenntnisse Krypto-Wallets leeren können, meist gegen eine prozentuale Beteiligung an der Beute.
Herkunft und Einordnung
Der Begriff leitet sich vom Modell Software-as-a-Service ab und reiht sich in die Gruppe der Crime-as-a-Service-Angebote ein, zu der auch Ransomware-as-a-Service zählt. Erste organisierte Drainer-Angebote traten um 2021/2022 auf; bekannt wurden Bezeichnungen wie Inferno Drainer, Angel Drainer oder Pink Drainer. Sicherheitsdienstleister wie Scam Sniffer und Chainalysis dokumentierten, dass einzelne Drainer-Familien in Kampagnen Vermögenswerte im dreistelligen Millionenbereich (US-Dollar) von Zehntausenden Opfern abgezogen haben.
Das Modell senkt die Einstiegshürde für Betrüger erheblich, da die technisch anspruchsvolle Komponente zentral bereitgestellt wird und die Betreiber sich auf die Verbreitung konzentrieren können.
Aufbau und Funktionsweise
Ein DaaS-Angebot umfasst typischerweise mehrere Bestandteile:
- Drainer-Skript: Der Kern, der nach erteilter Freigabe oder Signatur wertvolle Token, NFTs und native Coins in Empfängeradressen der Betreiber überträgt.
- Phishing-Vorlagen: Vorgefertigte Nachbauten bekannter Projekte, Airdrop-Seiten oder Mint-Portale.
- Steuerungsoberfläche: Ein Dashboard zur Verwaltung von Opfern, Beute und Auszahlungen.
- Beteiligungsmodell: Die Betreiber behalten automatisiert einen Anteil (häufig 20 bis 30 Prozent) der Beute über den Smart-Contract ein.
Technisch beruht der Abzug meist auf missbräuchlichen approve– oder permit-Signaturen sowie auf Funktionen wie setApprovalForAll. Auf Netzwerken mit Signatur-Standards wie EIP-712 können auch scheinbar harmlose Off-Chain-Signaturen zum Vermögensabzug führen.
Verbreitungswege und Verbindungen
DaaS-Kampagnen werden über Phishing-Webseiten, gekaperte Social-Media-Konten, gefälschte Airdrops, Malicious Airdrops und Poisoned NFTs ausgeliefert. Die Angebote werden in einschlägigen Foren und über Messenger-Kanäle beworben. Sie funktionieren netzwerkübergreifend auf Ethereum, BNB Chain, Solana und weiteren Ketten.
Bekämpfung und Schutz
Wallet-Anbieter integrieren zunehmend Simulationen und Warnungen, die schädliche Signaturanfragen vor der Bestätigung sichtbar machen. Sicherheitsdienste pflegen Sperrlisten bekannter Drainer-Adressen und Domains. Für Nutzer gelten die üblichen Grundregeln: Signaturanfragen genau prüfen, unbekannte Anwendungen ablehnen, erteilte Freigaben regelmäßig überprüfen und widerrufen sowie eine Hardware-Wallet mit getrennten Adressen für wertvolle Bestände nutzen.
Häufige Fragen
Was bedeutet das Kürzel DaaS?
DaaS steht für Drainer-as-a-Service, ein Mietmodell, bei dem Entwickler fertige Wallet-Drainer gegen Beteiligung an der Beute bereitstellen.
Wie verdienen die Betreiber eines Drainer-Dienstes?
Sie behalten meist automatisiert einen prozentualen Anteil der abgezogenen Vermögenswerte ein, häufig zwischen 20 und 30 Prozent, während der Rest an den anwerbenden Betrüger geht.
Wie gelangt ein Drainer an mein Wallet?
Nicht durch Hacken der Wallet selbst, sondern indem das Opfer auf einer Phishing-Seite eine schädliche Freigabe oder Signatur bestätigt, die den Vermögensabzug erlaubt.
Schützt eine Hardware-Wallet gegen Drainer?
Sie schützt den privaten Schlüssel, aber nicht vor einer selbst bestätigten schädlichen Signatur. Der Nutzer muss jede Signaturanfrage weiterhin sorgfältig prüfen.
Kann man abgezogene Vermögenswerte zurückholen?
In der Regel nicht, da Blockchain-Transaktionen unumkehrbar sind. Wichtig ist daher die Prävention durch das Ablehnen verdächtiger Signaturanfragen.
Zusammenfassung
Drainer-as-a-Service ist ein kriminelles Mietmodell, das fertige Wallet-Drainer samt Phishing-Vorlagen und Dashboard gegen Beuteanteil bereitstellt. Es senkt die technische Einstiegshürde für Krypto-Betrug erheblich und wird über Phishing, gefälschte Airdrops und Poisoned NFTs verbreitet. Schutz bietet vor allem die sorgfältige Prüfung jeder Signaturanfrage.
Weiterführende Quellen
- Chainalysis Blog: Crypto Drainers: www.chainalysis.com
- Wikipedia: Kryptowährung: de.wikipedia.org
- BSI: Onlinebanking und mobiles Bezahlen absichern: www.bsi.bund.de