Kurz erklärt: Silent Payments sind ein in Bitcoin standardisiertes Verfahren (BIP 352), das eine einzige, dauerhaft wiederverwendbare Empfangsadresse ermöglicht, ohne dass wiederholte Zahlungen an dieselbe Adresse auf der Blockchain sichtbar zusammengeführt werden können.
Herkunft und Zweck
Das Konzept wurde 2022 von dem Entwickler Ruben Somsen unter dem Namen „Silent Payments“ vorgestellt und 2023 als Bitcoin Improvement Proposal BIP 352 formalisiert. Ziel ist die Lösung eines langjährigen Datenschutzproblems: Herkoemmliche Bitcoin-Adressen sollten aus Privatsphäregründen nur einmal verwendet werden, weil mehrfache Zahlungen an dieselbe Adresse öffentlich verkettbar sind.
Bestehende Ansätze wie hierarchisch deterministische Wallets (BIP 32) oder Zahlungscodes (BIP 47, „PayNyms“) lösten dies nur teilweise oder erforderten eine vorgelagerte Interaktion zwischen Sender und Empfänger. Silent Payments erlauben es dem Empfänger, eine einzige statische Adresse (Präfix sp1) zu veröffentlichen, aus der der Sender ohne weitere Kommunikation für jede Zahlung eine eindeutige On-Chain-Adresse ableitet.
Technische Funktionsweise
Silent Payments beruhen auf einem Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch mittels elliptischer Kurven. Der Ablauf im Überblick:
- Der Empfänger veröffentlicht eine statische Silent-Payment-Adresse, die aus einem Scan- und einem Spend-Public-Key besteht.
- Der Sender kombiniert seinen eigenen privaten Schlüssel (aus den verwendeten Eingängen) mit dem öffentlichen Scan-Schlüssel des Empfängers und berechnet daraus ein gemeinsames Geheimnis.
- Aus diesem Geheimnis wird eine frische, einmalige Taproot-Ausgangsadresse abgeleitet, die on-chain nicht mit der veröffentlichten Adresse in Verbindung gebracht werden kann.
- Der Empfänger scannt die Blockchain mit seinem Scan-Schlüssel, um an ihn gerichtete Zahlungen zu erkennen.
Es sind keine zusätzlichen Daten in der Transaktion notwendig; die Erkennung geschieht rein rechnerisch. Nachteil ist der Scan-Aufwand: Wallets müssen eingehende Transaktionen fortlaufend prüfen, was leichte Clients (SPV) vor Herausforderungen stellt.
Verbreitung und Einordnung
Silent Payments benötigen keine Änderung des Bitcoin-Protokolls (kein Soft Fork), da sie auf bestehenden Taproot-Ausgängen aufsetzen und rein wallet-seitig umgesetzt werden. Unterstützung findet sich unter anderem in Wallets wie Cake Wallet, BlueWallet-Umfeld, Wasabi und in Bibliotheken wie BDK (Bitcoin Development Kit).
Das Verfahren steht in einem größeren Kontext von Datenschutz-Techniken für Bitcoin, zu denen auch CoinJoin, PayJoin und Zahlungscodes gehören. Silent Payments gelten als vergleichsweise einfach nutzbar, da der Empfänger nur eine einzige Adresse verwalten muss.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Silent Payments von einer normalen Bitcoin-Adresse?
Eine normale Adresse wird bei mehrfacher Verwendung on-chain verkettbar. Silent Payments erlauben eine dauerhaft wiederverwendbare Adresse, aus der für jede Zahlung eine eigene, nicht zuordenbare On-Chain-Adresse abgeleitet wird.
Benötigen Silent Payments einen Soft Fork von Bitcoin?
Nein. Sie nutzen bestehende Taproot-Ausgänge und werden ausschliesslich in der Wallet-Software umgesetzt, ohne das Basisprotokoll zu ändern.
Wer hat Silent Payments entwickelt?
Das Konzept stammt aus dem Jahr 2022 vom Entwickler Ruben Somsen und wurde als BIP 352 standardisiert.
Welchen Nachteil haben Silent Payments?
Der Empfänger muss die Blockchain fortlaufend scannen, um eingehende Zahlungen zu erkennen. Das erhöht den Rechen- und Datenaufwand, besonders für leichte Clients.
Woran erkennt man eine Silent-Payment-Adresse?
Sie beginnt mit dem Präfix sp1 und ist damit von herkoemmlichen bc1-Adressen unterscheidbar.
Zusammenfassung
Silent Payments (BIP 352) sind ein wallet-seitiges Bitcoin-Verfahren für wiederverwendbare, statische Empfangsadressen, das die Nachteile der Adress-Wiederverwendung für die Privatsphäre vermeidet. Aus einer einzigen veröffentlichten Adresse leitet der Sender per Diffie-Hellman-Verfahren für jede Zahlung eine eindeutige On-Chain-Adresse ab. Das Konzept wurde 2022 von Ruben Somsen vorgestellt und erfordert keine Protokolländerung.
Weiterführende Quellen
- BIP 352: Silent Payments (Bitcoin GitHub): github.com
- Silent Payments Dokumentation: silentpayments.xyz