Kurz erklärt: Eine MPC-Wallet ist eine Wallet, die kryptografische Verfahren der Multi-Party Computation (sichere Mehrparteienberechnung) nutzt, um einen privaten Schlüssel auf mehrere Anteile zu verteilen, ohne dass der vollständige Schlüssel an einer einzigen Stelle existiert.
Grundprinzip
Multi-Party Computation ist ein Teilgebiet der Kryptografie, das es mehreren Parteien erlaubt, gemeinsam eine Berechnung durchzuführen, ohne ihre jeweiligen Eingaben offenzulegen. Bei einer MPC-Wallet wird dieses Prinzip auf die Signierung von Transaktionen angewendet.
Statt einen einzelnen privaten Schlüssel zu erzeugen und zu speichern, werden mehrere unabhängige Schlüsselanteile (Key Shares) auf verschiedene Geräte oder Parteien verteilt. Zur Freigabe einer Transaktion arbeiten die Anteile zusammen und erzeugen gemeinsam eine gültige Signatur. Der vollständige Schlüssel wird dabei zu keinem Zeitpunkt an einem Ort rekonstruiert.
Technische Funktionsweise
MPC-Wallets setzen typischerweise auf Schwellenwert-Signaturverfahren (Threshold Signature Schemes, TSS). Dabei ist eine Mindestzahl von Anteilen erforderlich, um eine Signatur zu erzeugen, etwa zwei von drei Anteilen.
- Verteilte Schlusselgenerierung: Die Anteile entstehen unabhängig und ergeben nie gemeinsam den Gesamtschlüssel im Klartext.
- Kein Single Point of Failure: Die Kompromittierung eines einzelnen Anteils reicht nicht aus, um Transaktionen auszulösen.
- Abgrenzung zu Multisig: Anders als klassische Multisignatur-Verfahren, die auf Protokollebene mehrere Signaturen erfordern, erzeugt MPC eine einzelne Standard-Signatur und ist damit für die Blockchain nicht von einer gewöhnlichen Transaktion unterscheidbar.
MPC-Verfahren sind grundsätzlich kettenunabhängig und lassen sich auf verschiedene Blockchains anwenden.
Einordnung und Verbreitung
MPC-Wallets werden sowohl im institutionellen Bereich als auch in Verbraucheranwendungen eingesetzt. Anbieter von Verwahrlösungen für Unternehmen nutzen MPC, um die betriebliche Kontrolle über Schlüssel auf mehrere Personen oder Systeme zu verteilen. Auch einige verbraucherorientierte Wallets verwenden MPC, um Nutzern die Verwaltung ohne klassische Seed-Phrase zu ermöglichen; ein Schlüsselanteil liegt dann etwa beim Nutzer, ein weiterer beim Anbieter.
Ob eine MPC-Wallet als verwahrend oder nicht-verwahrend gilt, hängt von der konkreten Verteilung der Anteile ab. Halten Nutzer und Anbieter jeweils Anteile, entstehen Mischformen. Die Sicherheit von MPC-Lösungen hängt stark von der korrekten Implementierung der zugrunde liegenden kryptografischen Protokolle ab.
Häufige Fragen
Was bedeutet MPC?
MPC steht für Multi-Party Computation, ein kryptografisches Verfahren, bei dem mehrere Parteien gemeinsam eine Berechnung durchführen, ohne ihre Eingaben offenzulegen. Bei Wallets dient es der verteilten Schlüsselverwaltung.
Worin unterscheidet sich MPC von Multisig?
Multisig erfordert auf Protokollebene mehrere separate Signaturen. MPC erzeugt aus verteilten Schlüsselanteilen eine einzige Standard-Signatur, die auf der Blockchain nicht von einer gewöhnlichen Transaktion zu unterscheiden ist.
Gibt es bei MPC-Wallets eine Seed-Phrase?
Nicht zwingend. Viele MPC-Wallets verzichten auf eine klassische Seed-Phrase und sichern stattdessen die verteilten Schlüsselanteile. Die konkrete Umsetzung unterscheidet sich je nach Anbieter.
Sind MPC-Wallets verwahrend oder nicht-verwahrend?
Das hängt von der Verteilung der Anteile ab. Halten Nutzer und Anbieter jeweils Anteile, entstehen Mischformen zwischen verwahrend und nicht-verwahrend.
Wovon hängt die Sicherheit einer MPC-Wallet ab?
Massgeblich sind die korrekte Implementierung der kryptografischen Protokolle, die Verteilung der Anteile und der gewählte Schwellenwert für die Signaturerzeugung.
Zusammenfassung
Eine MPC-Wallet nutzt Multi-Party Computation, um einen privaten Schlüssel in verteilte Anteile aufzuspalten, sodass nie ein vollständiger Schlüssel an einer Stelle existiert. Sie unterscheidet sich von klassischen Multisignatur-Verfahren durch die Erzeugung einer einzelnen Standard-Signatur. Ob sie verwahrend ist, hängt von der Verteilung der Anteile ab.
Weiterführende Quellen
- Wikipedia: Secure Multi-Party Computation: de.wikipedia.org
- NIST Threshold Cryptography Projekt: csrc.nist.gov